Von Anfang bis Ende
Als in das Unternehmen gekommen bin, gab es 3 Personen im Servicedesk für den ganzen Konzern. Ich sollte einen ersetzen, der sich entschlossen hat zu gehen. Ich gebe zu, als man mich zu einem Probetag eingeladen hatte, spielte ich mit. Ich hab ja nur ein bisschen Erfahrung, Ölkonzern, Gesundheitswesen, Telekommunikation, Internetserviceprovider. Auch muss ich zugeben, es gefiel mir, da herrschte absolutes Chaos. Hier sah ich meine Chance etwas zu tun, zu bewirken, zu verändern.
Nach nur wenigen Wochen stellte sich heraus, dass der Abteilungsleiter, dass Unternehmen verlässt. Kurz ich hab den Abteilungsleiter, genau 2x gesehen, bei der Vertragsunterzeichnung und dann bei seiner Verabschiedung. Danach wurde aus der Abteilung eine eigenständige Firma.
Zum Servicedesk kam ein Teamleiter und 2 Personen, die für die Hardware verantwortlich waren. Ich und ein Kollege waren für die Themen im Kundensupport verantwortlich.
Soweit sollte diese Konstellation funktionieren, wenn da nicht ein kleines Problem wäre.
Der Teamleiter unterstützte die beiden Hardware verantwortlichen allen Belangen, ließ mich und meinen Kollegen zu 99% selbständig arbeiten, was aus meiner Sicht auch gut, war. Eines war für mich sehr schnell offensichtlich, der Teamleiter hat von Kundensupport keine Ahnung. Dieser Malus von ihm wurde immer dann zum Problem, wenn er meinte sich einmischen zu müssen, um seine Autorität zu beweisen. Funktionierende Abläufe wurden mit Stöcken zwischen den Füßen immer wieder erschwert und wenn seine beiden "Best Buddies" mal stundenlang nichts tuend rumsaßen, dann war das in Ordnung, ging ich oder mein Kollege kurz auf Pause, wurden wir abgemahnt.
Auch gab es einen massiven Makel, Mikromanagement. Jedes Mal, wenn der Teamleiter seine Phase hatte, änderte oft Kleinigkeiten mehrfach in den Tickets, was zu einer Flut von Benachrichtigungen bei mir und meinem Kollegen führte. Dieser Umstand belastete sehr stark meine Nerven und schlussendlich brach es eines schönen Tages aus mir raus und ich beschwerte mich darüber.
Der Geschäftsführer untersuchte die Beschwerde und suchte das Gespräch mit dem Teamleiter, welcher dann nach Zusage zu einem Termin einfach Krankenstand anmeldete. Der Rest endete dann in einer sehr unschönen Kündigung vom Teamleiter.
Danach war der Servicedesk 1-2 Wochen ohne Teamleiter, bis der GF zu mir kam und mich zum Teamleiter machte. Was natürlich wieder Probleme auslöste. Der GF versammelte den Servicedesk in einem Meetingraum und verkündete seine Entscheidung, worauf die beiden Hardwareverantwortlichen sofort Einspruch erhoben. Hatte ich oft in der Vergangenheit ihnen doch recht klar gemacht, dass es so nicht laufen kann, als Team.
Der GF ist daraufhin über die Beiden drüber gefahren und sie mussten die bittere Pille schlucken.
Es dauerte allerdings nicht lange und schon folgte Dummheit. Ich war 2 Wochen im Urlaub, aber erreichbar, für Notfälle. Zuerst rief mich der erste der Beiden an und fragte mich, was er tun sollte. Der Teamleiter der Infrastruktur hatte sie beauftragt einen USB Stick zu erstellen, mit dem es möglich ist, ausgesperrte Windows PCs zu öffnen. Der Kollege fragte mich, ob er dafür ein ISO aus dem Internet via Torrent runterladen darf. Ich bejahte, wenn der Hersteller, diese Option anbietet, warum nicht.
Das kleine Detail, was hier verschwiegen wurde und natürlich sofort einschlug, als der Versuch gestartet wurde, der Kollege wollte eine kostenpflichtige Software illegal aus dem Internet via Torrent laden.
Der Versuch mit die Schuld in die Schuhe zu schieben scheiterte und endete mit der Kündigung beider Kollegen.
Danach gab es nur noch mich und den Kollegen seit der ersten Stunde. Wir arbeiteten gemeinsam und effizient.
Dann kam Covid.
Ich bin kein Mediziner, ich glaube durchaus, dass dieses Virus bei vielen Menschen Folgeschäden verursacht hat, ein Hoax war Covid definitiv nicht. Was allerdings sich mehr und mehr manifestierte, war der Hang meines Kollegen zu Verschwörungstheorien. Da wir jetzt auch vor Ort gehen mussten, gab es für uns nur 2 Optionen, Maske oder Impfung.
Ich nahm Impfung und Maske, weil das eigene Glück herausfordern wollte ich nicht. Mein Kollege verweigerte aber beides, was zu seiner Kündigung führte.
Da war ich nun alleine. Musste plötzlich die Hardwarethemen managen und den Servicedesk. Gut das ich Teamleiter war, so konnte ich mich selbst gut führen, ohne Widerspruch.
Jetzt sin knapp 2 Jahre vergangen und ich stand alleine darf. Der Servicedesk wurde der Infrastruktur unterstellt. Die Firma hat nebenbei auf Weisung/Zwang des Konzerns verkleinert. Bereiche wurden entzogen oder aufgelöst. Oft war zu hören, das die IT von IT keine Ahnung hat.
Im 3ten Jahr wurde für den Servicedesk ein neuer Mitarbeiter rekrutiert, welcher nach 3 Monaten wieder gegangen werden musste. Ist halt nicht sehr schlau, aufgrund eines Konfigurationsfehlers im Intranet, den Infrastruktur Teamleiter mit der Positionsbeschreibung "Ring Master" - deutsch Zirkusdirektor zu versehen.
Ich war wieder allein.
Von diesem Versuch im 3ten Jahr den Servicedesk wieder auf 2 Mann zu bringen, wurde abstand genommen. Die neue Idee war, aus dem Team der Infrastruktur einen Kollegen mich unterstützen zu lassen.
Covid hat definitiv Schäden hinterlassen, bei allen, die sich damit infiziert hatten. Manche sogar 2-3x hintereinander.
Man könnte es jetzt auch charakterliche Schwächen nennen, statt Folgen von Covid. Was aber aus der Beobachtung hervorgeht, diese Veränderung haben alle Kollegen gemacht, die sich infiziert hatten.
Folgende Folgen konnte ich beobachten
- extremes Kurzzeitgedächtnis
- Kollege kommt zu mir, fragt mich etwas, geht aus dem Raum und kommt zwischen 5min und 1h wieder und fragt mich das Gleiche nochmal
- Prioritäten werden falsch gesetzt
- ein Termin steht an, ich weise darauf hin, dass ich etwas brauche oder gemacht werden muss, damit ich meinen Teil erledigen kann, weil dieser davon abhängt. Häufigste Antwort, man habe keine Zeit, man kümmere sich später darum usw. Im Endeffekt wurde in 99% nichts gemacht oder darauf vergessen, sodass der Termin verschoben, nicht eingehalten werden konnte oder der Kunde als Schuldiger hingestellt wurde
- Absprachen zwischen mir und den Kollegen werden nicht eingehalten
- man stimmt sich mit Kollegen ab, wiederholt und bestätigt, was ausgemacht wurde und dann wird es weder eingehalten oder gemacht, häufigste Ausrede "ich hab das vergessen"
- E-Mails werden nicht gelesen
- Informationen werden geteilt oder verteilt, Tage oder Wochen später wird so getan, als hätte man es nicht erhalten, liegt aber in der Mailbox ungelesen
- Ein massiver Backlog (Rückstand) wird erzeugt und keine Versuche unternommen, diesen aufzuarbeiten.
- in vielen Bereichen, Office Management, Infrastruktur werden Tätigkeiten bevorzugt, nicht durch Notwendigkeit gemacht, am Ende wird der Kunde vertröstet oder die Schuld auf Lieferanten etc. geschoben.
- Tatsachen werden je nach Tagesverfassung und Bedürfnis verdreht
- Ein Teil Hardware wird bestellt oder angefordert, die Hardware kommt zu mir und ich kontrolliere, auf Vollständigkeit und Funktion. Dabei wurde immer häufiger die Hardware unvollständig bzw. nachweislich defekte Hardware für den Einsatz beim Kunden mir übergeben.
- Beispiel: Ein Dockingstationset besteht aus der Dockingstation, dem dazugehörigen Stromkabel, einem USB-C Verbindungskabel. Ich erhalte mal eine Dockingstation mit einem falschen Stromkabel oder keinem USB-C Kabel. Die Vorgehensweise dabei ist, am Gerät stecken 2 Kabel, das wird schon passen. Ist dann ungünstig, wenn 2 Displayport Kabel dranstehen und sonst nichts.
- Ein Teil Hardware wird bestellt oder angefordert, die Hardware kommt zu mir und ich kontrolliere, auf Vollständigkeit und Funktion. Dabei wurde immer häufiger die Hardware unvollständig bzw. nachweislich defekte Hardware für den Einsatz beim Kunden mir übergeben.
- Ein Kollege fährt ohne Rücksprache einen Server runter
- ich bin gerade beim Kundensupport und erreiche den Kernserver nicht mehr, kontaktiere daraufhin, weil niemand gerade verfügbar, den GF, welcher den Server wieder hochfährt. Während ich meinen Service beende, bricht Chaos im Netzwerk aus. Ich werde mit der Frage konfrontiert, warum ich den Server hochgefahren habe??? Nach einigem Hin und Her, stellt sich heraus, der Kollege, der den Server runtergefahren hat in erster Instanz hat mir die Schuld zugewiesen. In meiner Pause werde ich vom Netzwerkadministrator erneut angefahren, was ich mir einbilde den Server runterzufahren. Hier stoppt der Hauptadministrator und der GF den Kollegen. Der Netzwerker wusste bereits zu diesem Zeitpunkt, dass ich nichts getan habe, hat aber seine Wut und Ärger bei mir abgelassen.
- Homeoffice als Entschuldigung für alles
- Als Homeoffice als Option eingeführt wurde, nahm das sehr schnell überhand. Einige Kollegen sind oft die ganze Woche nicht mehr im Office, andere nur jeden 3ten Tag und die Kommunikation wird zunehmend schwerer. Es verzögert sich alles mehr und mehr. Kritik wird abgeschmettert, ích könne ja auch ins Homeoffice gehen, was schwer ist, da Vororteinsätze jederzeit kommen können. Anfang August 2024 besonders schlimme Situation. 2 Wochen mehr oder minder mit jeweils 1-2 Kollegen im Büro von 15. 2 von 15 sind entschuldigt, da generell nur im Homeoffice arbeiten.
- Urlaubsvertretung ist für Weicheier
- Als ich am Anfang des Sommers in Urlaub und auf Weiterbildung gegangen bin, letztere musste ich mir selber bezahlen, weil die Firma es nicht bezahlen konnte oder wollte. Einfache Dinge wurden erledigt, der Rest wurde für mich nach dem Urlaub aufgehoben
- GF schießt sich trotz mehrfacher Warnung selbst ab
- Workaholic vernichten sich zwangsläufig selbst. So sehr man ihnen Unterstützung anbietet, sie geben nichts ab und arbeiten sich kaputt
- neuer GF übernimmt interimsmäßig die Firma
- der neue GF hat von IT keine Ahnung, er ist Buchhalter. Erklärt in einem E-Mail, er werde uns den Rücken frei halten von Konzern Interferenzen. Kauft an einem heißen Tag für die Mitarbeiter, 2 Packungen Billa Billig Eis. Besprechung mit den Administratoren folgt, über anstehende Themen, offene Themen, Weiterführung. Zuvor eine Ansprache vom Vorstand, dass es jetzt nur um Serviceerhalt gehe und das man überschüssige Parkplätze kündigen soll. Bei dieser Besprechung zwischen neuem GF und den Kollegen, erklärt sich der Netzwerker zum Ansprechpartner für alles und sichert sich angeblich die Verwendung des Firmenautos für private Zwecke.
- meine Tätigkeiten werden zunehmend abgegraben
- es gibt Tage da ist mehr los, dann wieder Tage wo weniger ansteht. Im Ticketsystem ersichtlich. An Tagen wo wenig los ist, bedienen sich die Kollegen neuerdings an meinen Tickets, meiner Arbeit. An Tagen wo viel los ist, wird alles mir überlassen.
- Firma bekommt neuen Mitarbeiter und Arbeitsplatz
- in mir schwelt der Drang zu kündigen. Ich bearbeite meine Tickets und sehe, dass bei einer Firma ein neuer Mitarbeiter kommt, wieder mal statt 2 Woche Vorlaufzeit, nur 5 Tage. Ich erkundige mich, ob auch Hardware für den Mitarbeiter bestellt wurde. Office Management verneint. Kunde hat aber Hardware bestellt. Der Kollege der es begonnen hat zu bearbeiten, ist auf Urlaub und ein anderer Kollege hat die Bestellung einfach geschlossen. Das war Anfang August, jetzt ist Ende August. Hardware kann nicht mehr bestellt und rechtzeitig geliefert werden, daher muss Hardware aus dem Lager entnommen und umgebucht werden. Ich schreibe meine Kündigung und schicke sie an den GF. 2 Tage später reise mich einem Ikea Sack voll, 2 Monitore, 1 Laptop, 1 Dockingstation, 1 Tastatur-Maus-Set mit Bahn nach Linz, da der zuständige Kollege, der die Versendungen macht, noch immer auf Urlaub ist.
- Kündigung
- Nachdem ich meine Kündigung verschickt habe, ruft mich der Administrator an. Er hat die Kündigung in CC bekommen. Außerdem wusste er bereits von meiner Überlegung. Zwischen dem Abschicken und seinem Anruf sind knapp 30 Minuten vergangen, weil der hatte ein Telefonat mit dem GF. Dessen Frage war nur "Was machen wir?". Nach knapp 2h erhalten ich eine Antwort vom GF, dass er meine Kündigung annimmt. Der Administrator, welcher auch mein Vorgesetzter ist, stellt mir die Option der Freistellung für die restliche Zeit. Ich erbitte mir Bedenkzeit. Am Montag der Folgewoche nehme ich das Angebot an. Gebe alle Geräte, Schlüssel etc. zurück. Verabschiede mich und gehe nach Hause. Am Donnerstag der Vorwoche, nachdem ich aus Linz zurückgekommen bin, hat der GF sich von mir verabschiedet.
- Kündigung II
- Ich erhalte mein Dienstzeugnis, in einem Kuvert mit dem man Rechnung erhält. Ich kontaktiere per E-Mail den Administrator, da wir die Freistellungsvereinbahrung noch nicht schriftlich abgeschlossen haben. Ordnung muss sein. Ic erhalte vom GF eine Antwort.
- die Freistellung war nicht im Interesse der Firma
- die Freistellung habe ich von mir aus festgelegt
- die Firma hat dadurch viel Aufwand gehabt, meine Tätigkeiten aufzuteilen
- Ich erhalte mein Dienstzeugnis, in einem Kuvert mit dem man Rechnung erhält. Ich kontaktiere per E-Mail den Administrator, da wir die Freistellungsvereinbahrung noch nicht schriftlich abgeschlossen haben. Ordnung muss sein. Ic erhalte vom GF eine Antwort.
Ein weiterer Grund, dass ich es nicht bereue, gekündigt zu haben.
Eine Freistellung kann nur durch die Firma vorgeschlagen werden. Nicht durch den Arbeitnehmer. In meinem Fall war es auch die Firma oder mein Vorgesetzter, der dies vorgeschlagen hat. Ich habe nur zugestimmt. Es war auch klar, dass wenn ich nicht mehr aktiv bin, dass meine Tätigkeiten jetzt definitiv die Kollegen übernehmen müssen, sprich dass sie sich nicht mehr rausreden können.
Eine Person, die die Funktion GF einnimmt, sollte entweder die rechtliche Grundlage für Freistellung wissen oder diese über die HR kommunizieren oder sich selbst darüber informieren. Stattdessen werden Tatsachen umgedreht, Lügen geschrieben und Anschuldigungen verfasst.
Ich werde diese Situation nicht weiterverfolgen, da ich damit abgeschlossen habe, dass durch die Freistellung mein Resturlaub (2 Wochen) und meine paar Überstunden aufgebraucht werden. Überstunden, welche verschleppt wurden und nicht ausbezahlt wurden, bevor ich auf einen All-In-Vertrag umgestellt wurde.
In Summe hätte ich vom September genau 4 (+1 Tag, Geräte retourniert wurden) Tage noch arbeiten müssen, wenn es keine Freistellung gegeben hätte und danach hätte die Firma, dass gleiche Problem gehabt. Im Grunde wollte die Firma einen klaren Schnitt verhindert, mir eventuell den Urlaub verweigern und mich bis zum letzten Tag nötigen zu arbeiten. Es wurde zwar anerkannt, dass ich eine ordnungsgemäße Übergabe gemacht habe, aber anscheinend zu einem Zeitpunkt, den die Firma nicht wollte.
Wer mehr dazu erfahren will, kann auf Kununu gerne nachlesen, hier der Mutterkonzern.
https://www.kununu.com/at/oesterreichisches-siedlungswerk-gemeinnuetzige-wohnungsaktiengesellschaft
Und hier die Firma